Vielfalt ist Leben - Ein Interview mit Sabine Gelsing

"KIB - Keine Insekten bitte! " ist der Titel von Sabine Gelsings Beitrag in unserer Anthologie "Ich Superheld! Das vielfältige Geschichtenbuch" - eine überraschende und witzige Insektengeschichte mit einem kafkaesken Einschlag, die das Thema Vielfalt unter einem sehr aktuellen Aspekt beleuchtet.



Wann haben Sie begonnen zu schreiben und wie kam es dazu?

In der Schule schrieb ich Geschichten und Artikel für die Schülerzeitung. Dann Protokolle und Abschiedsreden. Schließlich Berichte und gelegentlich Artikel für ein Sportmagazin.

Ich war immer „die, die gerne schreibt“, was anderen nicht ungelegen kam:

Du sitzt im Klassenzimmer deines Kindes. Es ist Elternabend und plötzlich hast du einen Zettel vor dir liegen, auf dem steht: „Ergebnisprotokoll“. Du hast nach unten gesehen bei der Frage, wer das Protokoll schreiben möchte. Du denkst, das funktioniert also immer noch nicht und schreibst. Am Ende mehrere Seiten, weil du dich nicht kurzfassen magst.


Ich habe tatsächlich immer gerne geschrieben. Nichts Großes, vor allem nicht viel Fiktives, aber die Zuneigung zum Schreiben blieb bestehen. Sie war durch Vernachlässigung träge geworden.

Dann vor drei Jahren, ich befand mich in einer persönlichen Krise, rüttelte ich es wach, das Schreiben. Seitdem lege ich Stift und Zettel nur ungern aus der Hand und aus Zuneigung wurde mehr.


Ich genieße es, zu schreiben, zu lesen und mich mit anderen (Autoren, Lesern, Zuhörern) über diesen manchmal lange andauernden Prozess und über wunderschöne Ergebnisse auszutauschen.

Wenn man nach diesem Weg das eigene fertige Werk – bestenfalls in gebundener Form – in den Händen hält, ist das ein großartiges Gefühl.


Wo und in welcher Atmosphäre schreiben Sie am liebsten?


Meine Kreativität lässt sich erst dann blicken, wenn mein Umfeld zur Ruhe kommt. Also schreibe ich abends, spätabends, oft nachts. Am liebsten würde ich ihr dann sagen, dass sie mich mal kann … Sie wissen schon! Schließlich sollte man nachts schlafen. Aber ich treffe scheinbar nicht den richtigen Ton. Sie macht mit mir, was sie will. Da ich ein harmoniebedürftiger Mensch bin, habe ich ihr – und mir – einen Rückzugsraum, mit Bett, Schreibtisch, Blumen und einem Plattenspieler (der ist für sie!) eingerichtet. In dieser Atmosphäre fühlen wir uns beide wohl.

Die Kreativität weiß jetzt allerdings, dass sie gewonnen hat. Sei´s drum.

Tagsüber schreibe ich auch, aber da brauche ich räumliche Veränderung. Es fällt mir schwer, mich nicht von alltäglichen Dingen ablenken zu lassen. Also schreibe ich auswärts, tausche meinen Bürostuhl gegen eine Sitzgelegenheit an einem Ort voller Menschen. Meistens schreibe ich in Cafés. Da passiert Inspiration. Dort schreibe ich am liebsten.


Was hat Sie zu Ihrer Geschichte inspiriert?


Ehrlich gesagt bin ich durch das Gehege meiner Landschildkröten gestakst, bewaffnet mit Löffel und Eimer. Die Kreativität war, wenn ich jetzt darüber nachdenke, offensichtlich auch dabei. Die kleinen Kothaufen mussten entfernt werden. Da dachte ich (dachten wir) plötzlich, wie viel Glück wir doch haben, dass sie nicht so groß sind, wie die Fladen von Kühen (es sind immerhin fünf Schildkröten!).

Kopfkino: Je größer der Haufen, umso mehr ist im und auf dem Haufen los – was muss das für ein Gewusel sein!? – Fliegen, Mondhornkäfer, Schmetterlinge – Zuschreibungen – von unerwünscht, farblos bis selten und bunt.

Nahrung für eine Insektengeschichte, Nährboden für ... Vielfalt.

Wenn eine Idee sich durchgesetzt hat, schreibt sich die Geschichte (fast) von allein.


Was bedeutet für Sie „Vielfalt“?


Ich verstehe Vielfalt als Synonym für Leben. Als solches ist sie zu achten. Punkt.


An welchem Projekt schreiben Sie zur Zeit?


Ich schreibe derzeit an einem zeitgenössischen Roman und an einem Kinderbuch-Projekt.

Da ich Ausschreibungen zu Anthologien inspirierend finde, arbeite ich zudem ständig an Kurzgeschichten.



Wenn Sie eine Figur aus einem Kinderbuch treffen könnten, welche wäre es und warum?

Ich würde gerne den „Regenbogenfisch“ treffen, um seine Welt kennenzulernen. In den Ozeanen gibt es noch so unendlich viel zu entdecken.

Ich bin gerne am und im Wasser. Vielleicht mag ich auch „unter Wasser“. Dort zu leben ist bestimmt spannend und gefährlich. Zu den natürlichen Feinden kommen all die menschgemachten Widrigkeiten. Darüber würde ich gerne mit dem Regenbogenfisch und seinen Freunden sprechen.

Ich würde ihn fragen, wie es ihm geht, und hoffen, dass er mich ebenso sympathisch findet, wie ich ihn.

Und danken würde ich ihm. Er hat mir beim Vorlesen und meinem Sohn beim Zuhören sehr viel Freude bereitet.

Außerdem mag ich bunt.


Vielen Dank!



Ich Superheld! Das vielfältige Geschichtenbuch

ISBN-13: 978-3981996395

9,80 EUR

Cover und Zeichnungen von Flora C. Maaß



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